Telemedizin, digitale Sprechstunde, Ferndiagnosen – die Digitalisierung wird auch in der Medizin vieles verändern. Aber wird auch alles besser? Wir haben zwei Ärzte aus der Gemeinde gefragt: Dr. Hubert Terheiden ist Anästhesist im Klever Krankenhaus und erlebt dort täglich, wie moderne Technologien den Klinikalltag prägen. Achim Densow ist seit 13 Jahren niedergelassener Internist in Uedem und kennt sich als Hausarzt mit den Sorgen und Nöten vieler Patienten vor Ort aus.

Herr Densow, Herr Terheiden, nutzen Sie als Mediziner überhaupt das Internet?

Dr. Hubert Terheiden: Aber ja, das ist im Krankenhaus gängige Praxis. Vor allem im Austausch mit den anderen Ärzten ist das Internet nicht mehr wegzudenken.

Achim Densow: Das gilt auch für uns niedergelassene Ärzte. Wir tauschen ja täglich viele medizinische Daten aus, und in der Regel geht das alles digital.

Wie muss man sich das in der Praxis denn vorstellen?

Terheiden: Also im Krankenhaus gibt es zum Beispiel keine physischen Röntgenbilder mehr, auch nicht beim MRT oder beim CT. Das läuft heute alles digital – und es hat Riesenvorteile, denn man kann die Bilder versenden und die Meinung des Kollegen einholen, ohne dass er vor Ort sein muss. Bei schweren Kopfverletzungen zum Beispiel machen wir vor Ort die Bilder und holen dann die Meinung eines Spezialisten aus Duisburg ein. Es wird dann gemeinsam entschieden, ob der Patient in die Spezialklinik verlegt werden muss oder nicht.

Densow: In den Praxen sieht es ähnlich aus. Laborbefunde, Statistiken, Medikamentenverordnungen – das geht alles übers Internet. Viele Krankenversicherungen verlangen das sogar.

Und die Kommunikation mit den Patienten – wird die irgendwann auch digital?

Densow: Natürlich wird man die ärztliche Untersuchung nicht durch digitale Kommunikation ersetzen können. Aber viele Dinge können einfacher werden.

Welche zum Beispiel?

Densow: Es gibt beispielsweise Diabetiker, die ihre Blutwerte täglich messen und ihre Medikation jeden Tag neu anpassen müssen. Für diese Menschen wird es zukünftig einfacher werden, weil man Blutwerte über kleine auf die Haut geklebte Sensoren messen kann. Die Werte werden dann automatisch an einen Diabetologen geschickt, der sofort reagieren kann, wenn etwas nicht stimmt.

Terheiden: Ein anderes Beispiel wären Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Es gibt heutzutage bereits so genannte „Herz-Handys“, das sind tragbare EKGs, die die Daten direkt an einen Facharzt senden.

Welche Vorteile soll das denn haben?

Densow: Der Vorteil ist, dass man die Störung messen kann, wenn sie passiert. Heute laufen wir bei solchen Sachen oft hinterher. Wenn der Patient zum Arzt kommt, ist die Herzrhythmusstörung meistens schon abgeklungen. Dann kann man nichts mehr messen. Und dabei geht es nicht um Kleinigkeiten, sondern auch um die Frage, ob es eine lebensbedrohliche Störung war oder nicht.

Terheiden: Im Krankenhausalltag läuft es ähnlich. Bei Notfallpatienten mit Herzbeschwerden wird heute das erste EKG schon im Krankenwagen gemacht und digital an die Klinik geschickt. Die Fachärzte dort kennen den Befund dann schon, bevor der Patient im Krankenhaus eintrifft. Das ist wichtig, weil dann keine wertvolle Zeit mehr für Untersuchungen draufgeht, sondern die Ärzte sofort mit der Behandlung beginnen können.

Wie wird die digitale Gesundheitsversorgung in Zukunft aussehen?

Densow: In Zukunft wird in vielen Praxen auch eine digitale Sprechstunde angeboten werden. Für einfache Beratungen der Patienten, zum Beispiel die Beobachtung nach einer Behandlung, kann das sinnvoll und zeitsparend sein.

Terheiden: In den Krankenhäusern machen wir ja heute schon so genannte minimalinvasive Operationen. Dabei werden keine großen Schnitte mehr gemacht, sondern der Arzt steuert kleinste Operationsgeräte. Zukünftig wird man diese Eingriffe als Tele-Operationen durchführen können, bei denen Operateur und Patient nicht mehr zwingend an einem Ort sein müssen. Der Operateur bedient dann die Geräte via Bildschirm, ohne dass er beim Patienten sein muss.

Wird denn insgesamt die Datenanbindung der Patienten zu Hause entscheidend sein für die Qualität der Gesundheitsversorgung?

Densow: Wie gesagt, die ärztliche Untersuchung kann man nicht digital ersetzen. Aber bei der Frage, wie schnell Herz- oder Zuckerwerte beim Arzt ankommen, ist das schon von Bedeutung. Das kann im Extremfall Leben retten.

Terheiden: Zumindest eins ist klar: Wenn man die schnelle Technologie hat, kann man selbst entscheiden, ob man sie nutzt oder nicht. Wenn man sie nicht hat, kann man gar nichts entscheiden.

Herr Densow, Herr Terheiden, wir danken Ihnen für das Gespräch